Fan-Liebe nach dem Tod:
Wenn der Schmerz nicht enden will

Fan-Liebe nach dem Tod (Fotos: Kzenon © fotolia.com 2) skeeze (CC0-Lizenz) © pixabay.com 3) CristianFerronato (CC0-Lizenz) © pixabay.com)

2015 und das noch frische Jahr 2016 waren keine Sternstunden für Fans von Musik und Film: Auffallend viele Stars mussten in den vergangenen Monaten ihren schwersten Kampf bestreiten, leider verloren ihn viele.

Etwa Rock´n´Roll Urgestein Ian „Lemmy“ Kilmister oder auch einer der Helden der Popmusik, David Bowie. Gerade bei solchen „alten“ Stars mag mancher denken „die haben ihr Leben gelebt“. Aber so einfach ist es nicht: Gerade wenn ein Künstler auf eine lange, erfolgreiche Karriere zurückblicken kann, sammelte er im Laufe der Jahre eine Fangemeinde um sich, für die derjenige viel mehr ist, als irgendein Künstler.

Um beim Beispiel der genannten Musiker zu bleiben: Vielleicht fand jemandes erster Kuss zu Bowies „Heroes“ statt. Oder die erste Party, während im Hintergrund Motörheads „No Sleep ´til Hammersmith“ auf dem Plattenspieler lief. Und wenn einen ein Künstler über so lange Zeit begleitete, vielleicht sogar den Soundtrack zu den wichtigsten Momenten des eigenen Lebens lieferte, dann ist die Reaktion auf seinen Tod mitunter genau so stark, wie die beim Dahinscheiden eines Freundes oder Familienmitgliedes.

Denn Verlustschmerz richtet sich in diesem Fall nicht auf persönliches Kennen, sondern, wie dieser Artikel erklärt, eher auf die Lücke, die der Tod hinterlässt: Ein Musiker wird nie wieder mit neuen Songs erfreuen, der Filmstar keine großartigen Auftritte mehr hinlegen. Und das ist ein absolut menschlicher Grund, um zu trauern – selbst wenn im Zusammenhang mit Prominenten oft von Übertriebenheit die Rede ist – es ist keine, nicht einmal ansatzweise. Nur ganz menschlicher Verlustschmerz.

Dieser Artikel will aufzeigen, wie Fans mit solcher Trauer umgehen können. Zunächst möchte der Text aber eine kleine Rückblende halten, um einigen der ganz Großen, von denen wir uns in den vergangenen Monaten verabschieden mussten, die Ehre zu erweisen.

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1. Von Helden, Rockern und Philosophen

Der Volksmund sagt „Ein Unglück kommt selten alleine“ und eingedenk der Liste von Stars, die in den vergangenen 14 Monaten verstarben, trifft dieser Spruch leider schmerzhaft genau zu.

Leonard Nimoy 27.2.2015
Einer der ersten, der das Jahr 2015 zu seinem Todesjahr machte, war Leonard Nimoy. Er wurde durch seine Rolle als „Mr. Spock“ in der Star-Trek-Serie bekannt und spielte die Rolle fast fünfzig Jahre. Daneben arbeitete der 1932 Geborene als Regisseur, Fotograf, Produzent, Autor und Musiker. Er starb an Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.

B.B. King 15.5.2015
BB „Blues Boy“ King war nicht nur ein Blues-Musiker, sondern die Seele dieser Südstaaten-Musik schlechthin. Was der 1925 geborene Künstler ab den späten 40ern auf die Beine stellte, beeinflusste Generationen von Musikern aller Genres auf der ganzen Welt – und wurde mit 15 Grammys prämiert. King verstarb als Folge seiner jahrelangen Diabetes-Erkrankung

Christopher Lee 7.6.2015
Einem jüngeren Publikum vor allem als „Saruman“ aus der Herr-der-Ringe-Verfilmung bekannt, war Sir Christopher Lee einer der wichtigsten Schauspieler Großbritanniens – der gebürtige Londoner wurde bei 244 Filmen als Darsteller genannt – Guinnes-Rekord. Daneben wirkte das Ausnahmetalent, das meist den Bösewicht verkörperte, als Synchronsprecher und Gastmusiker.

Wes Craven 30.8.2015
Wenn einer bei Generationen von Teenagern für wohlige Gänsehaut und Alpträume sorgte, dann Wes Craven. Der Amerikaner war Regisseur so bedeutender Horrorwerke wie Nightmare on Elm Street, mehrerer Teile von Scream und The Hills have Eyes und prägte dieses Genre wie kaum ein anderer. Er erlag im Alter von 76 Jahren einem Hirntumor.

Scott Weiland 3.12. 2015
Big Empty. Wie in dem 1994er Song seiner Band Stone Temple Pilots hinterließ Scott Weiland bei seinen Fans vor allem das: Große Leere. Analog zu vielen Musikern seiner Generation sorgten auch bei Grunge-Sänger Weiland die Drogen für sein Dahinscheiden – schon Mitte der 90er hatte seine Heroinsucht für Schlagzeilen gesorgt – zu seinem Tode im Alter von nur 48 Jahren trug wohl ein Mix aus Koks, Ecstasy und Alkohol bei, den er sich nach einem Konzert verabreicht hatte.

Ian „Lemmy“ Kilmister 28.12. 2015
„Lemmy ist tot“ diese Nachricht sorgte kurz vor dem Jahreswechsel für einen Schock nicht nur bei eingefleischten Rockfans. Der Kultsänger der Band Motörhead hatte sein Leben dem Rock´n´Roll gewidmet – und recht selbstdestruktiv gelebt. Jedoch trat er bis kurz vor seinem Tod mehr oder weniger alljährlich noch zu Welttourneen an und veröffentlichte ebenso regelmäßig Alben. Seine Beliebtheit als leuchtendes Vorbild für den Rock war so groß, dass bis dato über 150000 Fans eine Petition unterzeichneten, das Element 115, Ununpentium, in Lemmium umzubenennen. Bislang einzigartig, sowohl in der Chemie als auch der Musik. Lemmy starb kurz nach einer Krebsdiagnose an Prostatakrebs.

David Bowie 10.1. 2016
We could be heroes – just for one day. Kaum ein Musiker was so wandlungsfähig wie David Bowie. Im Lauf seiner Karriere, die fast ein halbes Jahrhundert überspannte, spielte er 25 Alben ein – keines klang wie das andere. Das war es, was den Briten für seine Fans einzigartig machte. Zudem setzte er immer wieder neue Maßstäbe für die Popmusik an sich. Dass er auch noch als Schauspieler brillierte, verwundert nicht. Auch bei Bowie war einmal mehr der Krebs für den Tod kurz nach seinem 69. Geburtstag verantwortlich – bis zum Schluss arbeitete er noch an einem neuen Album.

Alan Rickman 14.1. 2016
Als Severus Snape in den Verfilmungen der Harry-Potter-Reihe liebten ihn die jüngeren Zuschauer. Und die etwas älteren erinnern sich an seine Rolle als Sheriff von Nottingham in Robin Hood – König der Diebe. Vor allem in letztgenanntem Streifen war Alan Rickmans wahnsinniges Talent so überpräsent, dass dem Vernehmen nach viele seiner Szenen der Schere zum Opfer fielen – weil er den eigentlichen Star des Films, Kevin Costner, buchstäblich an die Wand spielte. Für sein Wirken wurde Rickman, der auch auf der Bühne große Erfolge feierte, mit Preisen überhäuft. Auch er starb an Krebs.

Peter Lustig 23.2. 2016
Der Erklärer zahlloser Kindergenerationen – Peter Lustig. Bei wie vielen Kindern er die Leidenschaft für die Welt entfache, indem er auf Augenhöhe und trotzdem hochpräzise selbst die komplexesten Vorgänge erklären konnte, wird leider im Dunkeln bleiben. Mit Peter Lustig ging aber auch jemand, der nicht nur erklärte, sondern auch untypische Kinderfragen anging – und sich damit gar das Bundesverdienstkreuz erarbeitete.

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2. Schmerz und Trauer bekämpfen

Mein Held ist tot

Wer einen nahestehenden Menschen verliert, dem bleiben oft nur Erinnerungen, einige Fotos. Stirbt hingegen ein Künstler, an dem man persönlich sehr hing, ist sein Vermächtnis meist ungleich größer – was die Bewältigung der Trauer gleichzeitig einfacher und auch schwerer macht.

Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die hier gelisteten Trauerphasen sich bei Fans angesichts des Todes ihrer Idole kaum von dem unterscheiden, was der Tod eines Freundes auslöst:
1. Akut-Phase (Schock)
2. Realisierung
3. Neubeginn
4. Ende der Trauer

Und hier greift die eingangs dieses Abschnitts gemachte These: Dadurch, dass ein Künstler Platten, CDs, Filme hinterlässt, macht er es Trauernden möglich, ihn sich immer wieder aufzurufen.

Positiv daran ist die Tatsache, dass es insofern möglich wird, bestimmte Stücke immer wieder zu hören und Filme zu schauen und somit die guten Gefühle, die mit dieser Musik, dieser Szene verbunden sind, immer wieder abrufbar sind. Selbst die Erinnerungen an Familienmitglieder verblassen meist mit der Zeit, Musik und Filme bleiben aber präsent.

Und das ist auch das Negative am Tod eines Künstlers: Viele Fans neigen dann dazu, sich genau diese Werke immer wieder anzusehen und anzuhören – und hindern ihre Trauer unbeabsichtigt daran, in das Stadium der Heilung einzutreten und verlängern damit ihr eigenes Leid. Die Lücke, die zwischen den Trauerphasen zwei und drei klafft, wird damit immer weiter vergrößert.

Abschalten – der Seele wegen

Insofern ist es in den ersten Tagen und Wochen nach dem Tod des Künstlers enorm wichtig, sich nicht zu sehr in die Hinterlassenschaften seines Schaffens zu vertiefen:

– Der Konsum seiner Werke sollte im Idealfall zunächst auf Null reduziert werden.
– Auch wenn sich im Web Fans auf entsprechenden Seiten in ihrer Trauer treffen, sollte davon Abstand genommen werden, weil diese Gefühle sich gegenseitig hochschaukeln können.
– Kommen die Fernseh-Nachrichten am Ende aufs Thema Prominente, sollte einfach umgeschaltet werden.
-Erst wenn die eigene Trauer soweit abgeklungen ist, dass der Trauernde von sich selbst sagen kann, dass er seinen Schmerz bewältigt oder „im Griff“ habe, sollten wieder Songs oder Filme des Künstlers konsumiert werden. Wichtig: Ruft das wieder starke akute Trauersymptome hervor, sollte der Versuch sofort wieder eingestellt werden.

Die gute Nachricht ist: Nach einigen Tagen bis Wochen haben die meisten ihre Trauer um einen Star größtenteils überwunden. Natürlich kann es immer wieder vorkommen, dass sie wieder hervorbricht, aber das wird mit der Zeit weniger werden. Und irgendwann wird zwangsläufig der Zeitpunkt kommen, an dem die Werke des Künstlers wieder unbeschwert genossen werden können. Und wer dennoch nie ganz über den Schmerz hinwegkommt, sollte sich selbst immer eines vor Augen halten:

Fazit
Auch wenn viele hartgesottene Zeitgenossen entnervt abwinken: Die Trauer um einen Star ist genau so menschlich wie die Trauer um einen engen Freund – denn der Tod hinterlässt immer eine Lücke. Wer jedoch den Verlustschmerz um einen geliebten Künstler erfolgreich und schnell überwinden möchte, sollte sich erst einmal komplett gegen Nachrichten über ihn abkapseln. Erst wenn der schlimmste Schmerz überwunden ist, können seine Werke dann wieder genossen werden.

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von Hirsch Heinrich