
Die Filmwelt trauert um eine ihrer glanzvollsten und vielseitigsten Ikonen: Die internationale Schauspielerin, Malerin und Sängerin Elke Sommer ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Mit ihr geht eine der ganz wenigen deutschen Künstlerinnen, die den Sprung nach Hollywood schafften und dort an der Seite der größten Weltstars Kinogeschichte schrieben.
Ein Weg aus Berlin in die Welt des internationalen Films
Geboren wurde Elke Sommer am 5. November 1940 als Elke Schletz im Berlin-Spandau. Als Tochter eines evangelischen Pfarrers wuchs sie in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur und einem Sprachaufenthalt in England verschlug es sie Ende der 1950er-Jahre nach Italien, wo sie während eines Urlaubs überraschend zur „Miss Viareggio“ gekürt wurde. Dieser Schönheitswettbewerb öffnete ihr schlagartig die Türen zur Filmbranche. Der italienische Regisseur Vittorio De Sica entdeckte das Talent der jungen Berliner Bohnenstange mit dem charakteristischen Schmollmund und holte sie vor die Kamera. Aus Elke Schletz wurde die markante Elke Sommer – ein Name, der schon bald auf den Plakaten internationaler Blockbuster prangen sollte.
Durchbruch in Hollywood und unvergessene Rollen
1963 gelang Elke Sommer mit dem Hollywood-Streifen Der Preis (The Prize) an der Seite von Paul Newman der endgültige weltweite Durchbruch. Für diese Leistung wurde sie mit dem Golden Globe als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. Es folgte eine beispiellose Karriere im internationalen Genrekino, in Komödien und Thrillern.
Zu ihren bekanntesten Filmen zählen:
Ein Schuss im Dunkeln (A Shot in the Dark, 1964) – als Tatverdächtige an der Seite von Peter Sellers als Inspektor Clouseau.
Die Unerbittlichen (The Money Trap, 1965) – zusammen mit Rita Hayworth und Glenn Ford.
Drei Mädchen in Rom (I piccioli misteri del Tevere, 1959)
Unter Geiern (1964) – ihre unvergessene Rolle im Karl-May-Kosmos.
Die Verbindung zur Welt von Karl May und Pierre Brice
Auch wenn Elke Sommer in den USA Karriere machte, blieb sie dem deutschen Publikum stets eng verbunden. Unvergessen bleibt ihre Rolle als Annie Helmdörfer im Karl-May-Klassiker „Unter Geiern“ (1964), in dem sie an der Seite von Götz George, Stewart Granger und natürlich Pierre Brice glänzte.
1999 trafen wir Elke Sommer am Rande der Scharlih-Verleihung in Bad Segeberg zu einem sehr persönlichen Gespräch, in dem sie mit großer Wärme auf ihre Arbeit und die Freundschaft mit der Winnetou-Legende zurückblickte. Über Brice sagte sie uns damals:
„Pierre Brice ist halt Karl May und Winnetou. Ich habe mit ihm gearbeitet, ich habe auch einen französischen Film mit ihm gemacht. Wir haben schon zweimal zusammen gearbeitet. Wir sind gute Freunde und es macht Spaß. Es ist für mich das erste Mal Freilichtbühne zu spielen. Die ganzen Kinder, für die ganzen Kinder zu spielen und dann Sprechchöre zu hören…“

Die Werte, die in den Geschichten rund um Winnetou und Shatterhand vermittelt werden, lagen dem Weltstar zeitlebens am Herzen. Im Interview betonte sie, wie zeitlos diese Botschaften sind:
„Besonders heutzutage, denn der Gerechte siegt. Und ich glaube, in diesem Computer Age, in dem wir uns befinden – wir brauchen Helden und die Jugend braucht Helden, ich brauche noch Helden!“
Lebensfreude und Leidenschaft abseits des Rampenlichts
Mit über 90 Spielfilmen und dutzenden Theaterproduktionen blickte Elke Sommer auf ein arbeitsintensives Schaffen zurück. Doch anders als viele ihrer Kollegen definierte sie ihren Selbstwert nie ausschließlich über den Ruhm vor der Kamera. Schon ab den 1970er-Jahren etablierte sie sich unter dem Pseudonym „E. Schwartz“ als erfolgreiche Malerin mit weltweiten Ausstellungen.
Auf die Frage, ob sie ein Leben ohne die Schauspielerei überhaupt führen könne, antwortete sie uns 1999 gewohnt humorvoll und bodenständig:
„Ich kann leicht ohne Arbeit… Dann spiele ich Golf oder arbeite in meinem Garten, koche für meinen Mann, macht alles Spaß. Ich male, meine Malerei. Ach, ich habe nie Langeweile. Ich kann ganz gut ohne Arbeit sein.“
Elke Sommer hinterlässt ein beeindruckendes künstlerisches Erbe und die Erinnerung an eine Frau, die Glamour, Eleganz, Zivilcourage und bodenständigen Humor wie kaum eine zweite Deutsche in Hollywood verkörperte.






