
Roter Teppich im Kino International. Zur Premiere in Berlin kam Liedermacher-Legende Wolf Biermann (89) höchstpersönlich. An seiner Seite seine zweite Ehefrau Pamela. Auch prominente Ehrengäste wie Winfried Glatzeder, Leander Haußmann oder Detlev Buck ließen es sich nicht nehmen, den Dokumentarfilm „Biermann“ anzusehen. Biermann selbst posierte ausgelassen für die Kameras und nahm auch einen offenen Hosenschlitz mit Humor. Im persönlichen Interview zeigte sich Biermann wortstark, kritisch und sehr privat.
Auf die Frage, ob er in seinem Leben etwas anders hätte machen wollen, erklärte Biermann: „Wir sind ja alle nur sehr irrende, kleine Menschenwesen, das wissen Sie doch. Und kein Mensch kann sich aussuchen, in welchem Verhältnissen eher aufgewachsen ist…“

Wie er das Herz seiner 27 Jahre jüngeren Frau Pamela eroberte beschreibt Wolf Biermann so: „Weil ich so schöne Lieder schreiben kann. Guck mich doch mal an, ich sehe doch nicht aus für einen Mann, mit dem eine schöne junge Frau ins Bett gehen muss. Die mochte meine Lieder gerne. Die mochte meine Gedichte gerne und meine Haltung im Streit der Welt. Das ist auch sehr erotisch!“

Und dann plauderte Biermann über seine wohl berühmteste Beziehung. Sieben Jahre lang war der Künstler zwischen 1965 und 1972 mit Eva-Maria Hagen liiert, wurde Ziehvater von Punk-Legende Nina Hagen. Eva-Maria war damals ein gefeierte Filmstar, er ein umstrittener Sänger. Biermann verrät: „Die war der Filmstar der DEFA und ließ sich mit diesem kleinen Biermann ein… Daran muss ich denken. Die Eva Maria, ihr kennt ihre verrückte Tochter, die genial begabt war in ihrer Jugend. Warum lässt sie sich mit dem verbotenen Biermann ein?…Weil sie tapfer war und weil sie das, im heutigen Jargon würde man sagen, geil fand! Aufregend, interessant, begeisternd! Mit einem Mann sich einzulassen, der auch den Mut hat, sich im Streit der Welt tapfer zu verhalten. Ihr müsst zugeben, auch wenn man kein Athlet ist und andere Schönheiten hat, ist das auch eine Art der Schönheit, oder?“

Im November begeht Biermann seinen 90. Geburtstag. Was er sich wünscht? Biermann: „Dass ich den dritten Weltkrieg nicht mehr erlebe. Denn wir sind im Moment, das wissen Sie auch ohne mich, in einer Vorkriegszeit. Das kann vielleicht noch tausend Jahre warten. Ich bin ja kein Prophet. Aber vielleicht auch nur 20 Jahre.“

Winfried Glatzeder sagte uns über Biermann: „Er hat mich insofern geprägt, als dass er das ausgelöst hat, dass die Intellektuellen aufmüpfig wurden… Insofern kann man ihm nur dankbar sein, dass er alle aufgerüttelt hat und sozusagen stellvertretend für viele Oppositionelle, die nachher zum Untergang der DDR geführt haben, durch die Montagsdemonstrationen hier auf dem Platz. Es war der Auslöser, dass die Leute aufgeatmet haben und gesagt haben, ich will mein Recht auf der Straße erkämpfen.“

Detlev Buck erklärte, was man von Biermann lernen kann: „Du merkst es sofort. Er hat eine Meinung. Er ist sehr, sehr lebendig und nimmt Teil.“
Der neue Dokumentarfilm „BIERMANN“ von Regisseur Jens Meurer zeichnet das bewegte Leben und Werk des legendären Dichters und Liedermachers Wolf Biermann nach, wobei persönliche Erinnerungen eng mit der deutsch-deutschen Zeitgeschichte verknüpft werden. Im Mittelpunkt stehen dabei seine Herkunft, sein Wirken in der DDR sowie die einschneidende Ausbürgerung im Jahr 1976 nach seinem berühmten Kölner Konzert. Der bundesweite Kinostart ist am 29. Oktober 2026.










