Richard Gere rechnet mit herzloser Migrationspolitik ab und lobt Angela Merkel

Richard Gere und Reem Alabali Radovan (SPD), Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Mit einer flammenden und zutiefst persönlichen Rede hat Hollywood-Star Richard Gere an der Berliner Hertie School ein neues humanitäres Projekt gestartet. Der 76-Jährige sparte dabei weder mit scharfer Kritik an der westlichen Abschottungspolitik noch mit überraschenden Details über seine eigene Familiengeschichte. Am Ende fand er deutliche Worte für eine deutsche Ex-Kanzlerin.

Es war kein gewöhnlicher Auftritt eines Weltstars, der in Berlin zu beobachten war. Als Richard Gere das Podium der Hertie School betrat, um gemeinsam mit seiner Stiftung („The Gere Foundation“) und der Berliner Universität die wissenschaftliche „Joint Initiative on Migration“ vorzustellen, ging es ihm um weit mehr als um akademische Theorie. Vor den Augen der anwesenden Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan (SPD), weiteren geladenen Gästen des afrikanischen Kontinents und zahlreichen Studierenden lieferte der Schauspieler ein hochemotionales Plädoyer für globale Empathie ab. „Wie kann man Politik ohne Herz machen? Wie ist das möglich?“, fragte Gere sichtlich bewegt in den Saal. Migration sei im Kern kein statistisches oder wahltaktisches Problem, sondern eine zutiefst menschliche Geschichte über Würde, Überleben und Hoffnung.

Richard Gere in Berlin

Krimi im Mittelmeer: Als Geres Bootskapitän von der Geheimpolizei bedroht wurde

Wie tief der Schauspieler selbst in der Materie steckt, bewies er mit einer dramatischen Anekdote aus der jüngeren Vergangenheit. Nach einem Besuch in Flüchtlingslagern auf Lampedusa und Sizilien erfuhr er von einem neuen italienischen Gesetz, das die Rettung Ertrinkender im Mittelmeer unter Strafe stellte. „Ein Gesetz, das es illegal macht, ertrinkenden Menschen zu helfen. In einem christlichen Land – ist so etwas überhaupt vorstellbar?“, empörte sich der bekennende Buddhist. Gere fackelte damals nicht lange, reiste nach Rom und charterte ein Boot, um die spanische Rettungsorganisation Open Arms mit Lebensmitteln und Medizin für 120 blockierte Migranten auf hoher See zu versorgen. Doch mitten in der Nacht schaltete sich die italienische Geheimpolizei ein und bedrohte den Bootsbesitzer: „Wenn du das tust, machen wir dich dicht. Du wirst keine Gelegenheiten mehr haben, du wirst nie wieder arbeiten.“ Der Mann sprang ab. Die Rettungsmission glückte schließlich nur durch einen surrealen Zufall: Gere fand im Hafen ein Touristenboot, dessen Kapitän auf seinem Smartphone zufällig gerade ein Video von Richard Gere über Mitgefühl ansah. Dieser willigte sofort ein. Die Geschichten über Folter, Sklavenhandel und unvorstellbare Gewalt, die die geretteten Männer und Frauen Gere anschließend an Bord erzählten, seien so grausam gewesen, dass er sie bis heute nicht einmal seiner eigenen Ehefrau anvertraut habe.

„Wir sind alle Migranten“: 2 Prozent deutsch

Gere erinnerte das Publikum daran, dass die Menschheitsgeschichte im Grunde eine reine Geschichte der Bewegung sei. Niemand sei davon ausgenommen, auch er selbst nicht. Mit einem Augenzwinkern blickte der Weltstar auf seine eigenen Ahnen zurück und sagte: „Mir wurde gesagt, dass ich vier oder fünf Leute auf der Mayflower hatte, dem Boot, das England in Richtung Nordamerika verließ. Und dann war da ein junger Junge, der erste Gere… Das ist meine Abstammung, hauptsächlich angelsächsisch, und mir wurde gesagt, auch ein bisschen deutsch, so etwa 2 % Deutsch da drin. Ich bin mir nicht sicher, wie ich mich damit fühlen soll, aber es sind 2 % Deutsch.“

Scharfe Kritik an Europa – und ein großes Lob für Angela Merkel

Scharfe Kritik übte Gere an der aktuellen europäischen Praxis, hunderte Millionen Dollar an libysche Milizen zu zahlen, um Migranten mit Gewalt an der Überfahrt zu hindern. Dies bekämpfe keine Ursachen, sondern fördere nur Korruption und Gewalt. Europa und der Westen müssten sich ihrer historischen und kolonialen Verantwortung stellen. Ganz zum Schluss seiner Rede überraschte der Hollywood-Star das Berliner Publikum jedoch mit einem ganz expliziten und unmissverständlichen Lob für die Flüchtlingspolitik der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gere: „Ich möchte Angela Merkel für das applaudieren, was sie getan hat. Ich weiß, sie hat eine riesige und schwere Last dafür getragen, so viele Flüchtlinge hierherzulassen, aber das war ein mutiger Schritt von ihr. Und wenn es nicht perfekt funktioniert hat, dann lag es nicht daran, dass die Motivation schlecht war.“

Die „Joint Initiative on Migration“ an der Hertie School soll künftig genau dort ansetzen, wo die Politik oft versagt: Sie soll faktenbasierte, langfristige Lösungen für die Ursachen von Flucht und Migration erforschen – mit wissenschaftlicher Präzision, aber, ganz im Sinne von Richard Gere, mit viel Herz.

Richard Gere mit Dr. Fatou Bensouda (gambische Hochkommissarin im Vereinigten Königreich und ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs), Dr. Namira Negm (Direktorin der Migrationsbeobachtungsstelle der Afrikanischen Union) und Prof. Violeta Moreno-Lax (Leiterin der Initiative bei der Hertie School)

Richard Gere trinkt einen Schluck Wasser

Richard Gere und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD)

von TIKonline.de