Matthias Steiner:
Über sein neues Leben, Diät und Weihnachten

Matthias Steiner (Foto: Accu Check)

Als Olympiaheld von Peking geht Matthias Steiner (31) in die Geschichtsbücher ein. Der Goldmedaillengewinner im Gewichtheben von 2008 rührte bei der Siegerehrung die ganze Welt, als er den Sieg seiner 2007 verstorbenen Ehefrau Susann widmete.

Ebenso freute sich die Nation mit ihm, als Steiner mit der Moderatorin Inge Posmyk (heute: Steiner) zusammen kam und ein neues Liebesglück fand. Mittlerweile lebt das Paar in Heidelberg und hat zwei kleine Söhne. Das Jahr 2013 war für Matthias Steiner sehr ereignisreich. Mit TIKonline.de sprach der „Stärkste Mann der Welt“ über sein neues Leben nach dem Sport, den Umgang mit seinem Diabetes, wie er über 24 Kilo abspeckte und wie das Weihnachtsfest im Hause Steiner begangen wird.

Sie haben im März Ihre Karriere beendet, wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?
„Grundsätzlich ist der Hauptinhalt meines Lebens, der Leistungssport, weg. Das ist selbstverständlich erst einmal ungewohnt. Trotzdem mache ich noch oft genug Sport, und da probiere ich viele Dinge aus. Ich halte Motivationsvorträge und trete im Fernsehen auf. Im SWR habe ich sogar meine eigene Sendung bekommen: „Steiner gegen alle“. In anderen Sendungen habe ich auch das eine oder andere Lied gesungen, zum Beispiel bei „Inas Nacht“ oder bei Florian Silbereisen. Ich schaue einfach mal, was sich so ergibt. Gerade arbeite ich daran, in das Ganze noch ein bisschen mehr Klarheit und Struktur reinzubekommen.“

Vor kurzem haben Sie Ihr musikalisches Talent bei dem „Adventsfest der 1000 Lichter“ bewiesen. Wird man da künftig noch mehr von hören?
„Das wird man sehen. Vielleicht ja. Es wurden auch schon ein paar Gespräche geführt, aber in welche Richtung das jetzt geht, kann ich noch nicht sagen. Grundsätzlich macht es mir Spaß. Man muss aber jetzt zunächst einmal schauen, was zu mir passt und was ich kann. Es muss auf jeden Fall authentisch bleiben. Es nutzt ja nichts, wenn man irgendwas dahersingt, und dann passt es nicht zu mir. Also ich versuche erst einmal herauszufinden, was ich gerne singe oder was man gerne von mir hören will.“

Nun sind Sie in diesem Jahr zum zweiten Mal Vater geworden. Wie haben die Kinder Ihr Leben verändert?
„Es war schon beim ersten Kind so, dass plötzlich alles anders ist. Beim zweiten war dieser Eindruck dann so stark, dass ich gesagt habe, dass ich mit dem Sport aufhören muss, weil das einfach zu viel ist. Ich bin beruflich viel unterwegs, dann der Sport und die beiden Kinder – das war irgendwie nicht machbar. Wir wollen Eltern sein, die in größtmöglicher Weise für ihre Kinder da sind. Wir wollten unsere Kinder nicht ständig irgendwo abgeben und dann wieder abholen. Wir wollen uns stattdessen die Freiheit nehmen und sagen ‚Wir sind Eltern, die für die Kinder da sind’. Natürlich gibt es da Einschränkungen. Aber man macht das gerne für seine Kinder.“

Sie sind Diabetiker und in der Aufklärungsarbeit zu diesem Thema sehr aktiv. Wie leben Sie im Alltag mit dieser Krankheit?
„Wenn man seit 13 Jahren Diabetiker ist, hat man schon einen guten Umgang damit. Wenn man dann auch noch während der ganzen Zeit Leistungssportler war, ist es im normalen Alltag kein so großes Problem. Trotzdem gibt es jeden Tag Gefahren. Man muss ständig aufpassen, dass der Zuckerwert stabil und schön konstant bleibt. Man muss sich einfach damit beschäftigen. Denn es ist nicht damit getan, dass man, wie bei anderen Krankheiten, jeden Tag eine Tablette nimmt. Man muss wirklich das Ganze gut steuern und überlegt handeln, um gut im Alltag zurechtzukommen.“

Ab Januar werden Sie eine moderne Accu-Chek Insulinpumpe tragen, die Ihnen sicherlich einiges im Alltag erleichtern wird. Aber gab es durch Diabetes in der Vergangenheit schon einmal eine gefährliche Situation für Sie?
„Also gefährlich war es noch nicht, brenzlig aber schon. Gerade beim Leistungssport, wenn der Körper sozusagen stark nachgebrannt hat, ist es abends immer schwer einzuschätzen, wie stark der Zuckerwert fällt. Und da ist er schon manchmal ziemlich tief gesunken. Aber es war alles noch im Rahmen, weil meine Frau da war, die das Ganze dann auch mitbekommen hat. Sie hat gesehen, dass da irgendwas nicht stimmte. Man muss eben aufpassen, auch als erfahrener Diabetiker. Auf die Accu-Chek Pumpe freue ich mich schon sehr. Dieses Gerät macht vieles einfacher.“

Kürzlich war zu lesen, dass sie über 24 Kilo abgenommen haben.Wie haben Sie das geschafft?
„Ich habe einfach weniger gegessen und habe jetzt weniger Muskelmasse. Natürlich mache ich nach wie vor Sport, aber nicht mehr nur Gewichtheben. Ich gehe bergwandern und fahre vor allem Rad. Außerdem ist das Thema Ernährung sehr wichtig. Früher musste ich so viel wie möglich essen, um erholt zu sein, damit ich am nächsten Tag wieder gut trainieren konnte. Jetzt habe ich meine Ernährung umgestellt und achte darauf, was ich zu mir nehme. Wenn jetzt beispielsweise die Weihnachtsfeiertage kommen, dann kalkuliere ich die einfach mit ein. Ich weiß, dass ich da ordentlich sündigen werde. Deshalb gibt’s dann an den nächsten Tagen abends ein bisschen weniger, und ich lasse ein paar Kohlenhydrate weg. Das kann ich ganz gut schieben, weil ich weiß, was welches Lebensmittel mit dem Körper anstellt. Deshalb brauche ich auch keine klassischen Diäten. Man muss einfach verstehen, wie Ernährung funktioniert, und dann geht das ganz gut.“

Was sagt Ihre Frau zur neuen Figur?
Inge Steiner ergreift das Wort und sagt: „Bis 2004 hatte er einen schlanken und durchtrainierten Körper, aber er musste zunehmen, um in seiner Sportart erfolgreich zu sein Ich kenne Bilder von früher, und insofern ist seine jetzige Figur für mich keine Überraschung. Außerdem macht es für mich keinen Unterschied, ob er jetzt 20 Kilo mehr oder weniger hat. Es wäre schlimm, wenn es so wäre.“

Nun steht Weihnachten vor der Tür. Was werden Sie da essen und wie werden Sie feiern?
„Bei uns gibt es zu Weihnachten auf jeden Fall einen serbischen Karpfen. Der wird nicht kalorienarm sein. Dazu gibt es Kartoffeln und Schwarzwurzelsalat. Es wird also ordentlich gegessen. Und dann gönne ich mir ein Gläschen Wein. Um die Feiertage herum gibt’s natürlich auch bei uns Kekse – aber sicherlich nicht 14 Tage durchgehend, sondern immer in Maßen. Das muss ich dann schon steuern. Man kann nicht einfach wahllos Kekse essen, sondern schon immer mit Bedacht. Vor allem aber mit Bewegung. Da darf man sich dann auch als Diabetiker ein paar Weihnachtskekse genehmigen. Aber man muss wissen, wo man das wieder einspart.“

Gibt es spezielle Weihnachtstraditionen bei Ihnen?
„Da ich aus Österreich komme und alles dort sehr katholisch geprägt ist, gibt es schon eine klassische Abfolge. An Heiligabend kommt der Weihnachtsputz, da wird dann alles noch mal poliert und geputzt. Dann wird der Karpfen vorbereitet, und dann gibt es relativ früh das Abendessen, so um 17 Uhr. Anschließend folgt ein Turmblasen in der Ortschaft, wo dann ‚Stille Nacht, Heilige Nacht‘ von der Musikkapelle geblasen wird. Und der nächste Punkt ist dann die Bescherung. Schließlich gehen wir am Abend in die Christmesse.“

Was sind Ihre Vorsätze für das kommende Jahr 2014?
„Grundsätzlich möchte ich ein anständiger Mensch bleiben. Und ich wünsche mir, dass unsere Firma, die wir neu gegründet haben, noch erfolgreicher und dass unser Berufsziel noch klarer wird. Aber in erster Linie, wünsche ich mir, dass wir einfach gute und liebevolle Eltern bleiben.“

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Foto(s): © Accu Check

von Natalie Eilers

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